XI. Amphi Festival 2015 - Bericht von Springteufel

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    • XI. Amphi Festival 2015 - Bericht von Springteufel

      Seit vielen Monaten fragte ich mich regelmäßig: Wie soll das nächstes Jahr nur werden mit dem Amphi? Ist ein Umzug wirklich notwendig? Gefühlt habe ich mich doch gerade erst an das immer mehr aus allen Nähten platzende Amphi-Gelände am Tanzbrunnen, an die langen Toilettenschlangen und den wirklich miesen Sound des Staatenhauses gewöhnt. Und: gelten meine kürzlich wiedergefunden Pfandmarken auch im neuen Lanxess Eventpark?



      Schade, dass eben dieser am Samstag zu größten Teilen nicht genutzt werden konnte: Denn, wie viele bereits vermutet hatten, hat Unwetter Zeljko dafür gesorgt, dass die Stadt Köln zum Schutze der Festivalbesucher anordnen musste, dass das Außengelände komplett geschlossen bleibt. Ergo: Keine Musik auf den beiden Bühnen und keine Händlerstände und keine Gastro außerhalb der Lanxess Arena. Und ich möchte an dieser Stelle die Nörgler an ihren Wutbürger-Ohren ziehen, die sich lautstark überall über diesen Umstand beschwerten: Durch dieses Unwetter musste das Line-Up spontan geändert werden, korrekt, es sind nicht alle Bands am Samstag aufgetreten und ja, einige Bands haben ihren Auftritt komplett absagen müssen, aber: Das Amphi hat verflucht noch einmal stattgefunden – die Orga hat das Amphi gerettet! Dank spontaner Umdisponierung konnten Bands, die ihren Samstags-Slot auf den Außenbühnen verloren hatten, ihren Auftritt (oft gekürzt) am Sonntag bei Sonnenschein oder sogar auf der Arena-Stage nachholen.


      Was mich persönlich im ganzen Unwetter-Unglück gefreut hat, ist, dass Bands wie Chrom oder auch The Other, welche spontan für den erkrankten Herrn Wesselsky einsprangen, die rare Chance ergattern konnten, vor einer wirklich gut gefüllten Lanxess Arena zu spielen. Chrom verfolge ich jetzt bereits einige Jahre und war beim Blick auf die Spielpläne auch dieses Jahr etwas traurig, dass das Elektro-Duo aus Düren immer die harten Plätze in den frühen Stunden bekommen hat. Auch die beliebte Horror-Punk-Band The Other füllte die große Halle gut und sorgte für Action im Mosh-Pit und griff hart in die Gitarrensaiten. Auch Rabia Sorda legten einen gelungen Auftritt hin, auch wenn die Technik des Keyboards mehrfach versagte und der Klimperkasten am Ende final auf der Bühne zusammenbrach. Nach viel sich-gegenseitig-auf-den-Füßen-Stehen in den engen Hallen der Lanxess Arena (raus ging es ja weiterhin nicht), hatte ich abends bei The Birthday Massacre viel Spaß, freute mich darüber, dass die Stimme der Front Frau Chibi mittlerweile live wirklich angenehm zu hören ist und feierte mit Cocktails und Tanz bei einer äußerst spannenden und expressionistischen Live-Show von Goethes Erben erschöpft in die Nacht hinein.



      Demnach verlief der erste Tag des elften Amphis reichlich holprig, aber hoch motiviert, mit einem halben Liter Wikingerblut-Slushi und einer Sonnenbrille (!) startete ich dann in den Sonntag. Ja, richtig gelesen; Sonnenschein brannte auf das schwarze Volk hernieder. Und was soll ich sagen: ich war schlagartig versöhnt. Niemand außer Pokemon Reaktor hätte mich besser wach schreien können. Der Frontman und Fred Durst Double der Band setzte alles daran, stimmlich das Mikrophon zu zerfetzen, die hart rockigen Ladys um ihn schmetterten die Keytars, ich hatte Spaß. Tatsächlich steigerte sich meine Laune noch bei einem veganen Burger und dem Auftritt von The Creepshow. Diese mir bislang komplett unbekannte Bands spielte sich vom ersten Takt in mein Psychobilly-Herz. Die zuckersüße Sängerin und ihre Jungs, man verzeihe meinen Straßen-Jargon, rockten die Kacke fett!


      Eine weitere empfehlenswerte Neuentdeckung schloss sich umgehend mit Darkhaus an. Goth-Rockige Töne treffen auf Charisma, ohrwurmige Lieder und einen Frontman der nach ersten etwas zittrigen Tönen seine Stimmenvielfalt zum Besten gab.

      Weiter ging es mit einer wirklich starken Performance von Das Ich. Schön zu sehen, dass Stefan Ackermann nach seiner schweren Erkrankung wieder wie ein Derwisch durch die Menge fegte und Klassiker der Band zum Besten schmetterte. Ähnlich energetisch krachte es dann auch bei Combi-fucking-Christ durch die Arena. Andy LaPlegua scheint ein von Grund auf wütender Mensch zu sein, der körper- und musikgewaltig noch dreißig Jahre seiner Show durchziehen wird. Ich begrüße dies und erfreue mich weiter an fliegenden Schlagzeugen.


      Musikalisch war es natürlich traurig, dass gerade für mich spannende Acts wie Lebanon Hannover oder auch Neuroticfish dem Sturm weichen mussten und nein, ich kann es auch nicht verstehen, dass bei so kostbarer Bühnenzeit ein wirklich lahmer Act wie das Comedy-Programm von Der Tod eine Stunde Spielzeit bekommt, aber – das Amphi bot summa summarum ein rundum gelungenes Musikprogramm! Gerade mit außen geöffneter Gastro gab es auch für den großen und kleinen Hunger große Auswahl und es fehlte an nichts. An den Preisen wurde, wie eigentlich versprochen, nicht wirklich was gedreht, aber es blieb weiterhin alles im Rahmen. Das Gelände der Lanxess Arena gefällt, die Massen verlaufen sich gut ohne dass es unübersichtlich wird, ich habe sehr große Lust auf das Amphi 2016 und wünsche mir dafür wieder neue Bands, die man so in Köln noch nicht gesehen hat, und die sich direkt in mein Herz spielen!