Letzte Instanz - "Brachial leise 2015", Kulturkirche Köln

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    • Letzte Instanz - "Brachial leise 2015", Kulturkirche Köln

      Letzte Instanz, Kulturkirche Köln

      Akustik-Konzerte versprechen, Bands von einer ganz neuen Seite zu beleuchten, insbesondere, wenn Musik und Show in der Regel weniger still über die Bühne schmettern. Wer “Letzte Instanz” kennt, weiß aber, dass die Band durchaus auch ruhigere Töne anschlagen kann. Das Motto des Abend “Brachial leise” verspricht demnach einen spannenden Spagat.


      Nachdem “Janus” im April diesen Jahre ebenfalls eine Kirche als Konzert-Location gewählt hatten, war die Vorfreude auf eine atmosphärische Inszenierung groß! Die Kulturkirche in Köln-Nippes wird im regulären Tagesgeschäft als Kirche verwendet, steht aber immer wieder ausgewählten Konzerte und Veranstaltungen offen. Dementsprechend authentisch war das “sakrale-feeling”, auch wenn dies bedeutet, auf harten Kirchenbänken auszuharren, um den Tourauftakt der Akustik-Tour zu erleben.

      “Frau Schmitt”, als Geigerin bei “Subway to Sally” bekannt und ihr Ehemann, läuteten den Abend stimmungsvoll mit instrumentalen Stücken an Geige und Schlagzeug ein. Leider ging der Anfang etwas unter, da keine Begrüßung stattfand und die Grenzen zwischen Toncheck und Vorband somit nicht wirklich deutlich waren. Die “Schmitt’s” überzeugten aber trotz kleiner Technikprobleme mit Charme, Berliner Witz und Gefühl am Instrument.


      Szenenwechsel, die Bühne füllt sich mit Musikern und Bandmitgliedern an klassischen Orchesterinstrumenten, unruhige Vorfreude im Publikum wallt auf und entlädt sich mit dem Auftritt des Sängers. Nach dem Auftakt mit “Ewig” und “Blind” verkündet Holly, dass es jetzt tatsächlich schon acht Jahre her ist, dass die Instanz auf Tour war. In der Zwischenzeit sind aber beachtliche sechzig Songs entstanden und demnächst erscheint ein neues Album auf dem Markt. Vorweg: Einige Kostproben wurden über den Abend verteilt gespielt. Herzstück und am stimmungsvollsten waren eher düstere Stücke wie “Wieder einmal rot”, “Sag wo bist du” und “Mein Todestag”, die eindeutig von der Atmosphäre profitierten. In Momenten, in denen das Publikum mitsang, teilweise aufstand und mittanzte fühlte sich das Band zwischen Sänger, Musikern und Fans sehr eng an.


      Was manchmal für Gänsehaut sorgte, und das ist jetzt sicherlich sehr subjektiv, kippte wiederum leider in anderen Momenten etwas: Das Involvieren des Publikums sorgte auf der einen Seite sicherlich für gute Stimmung, verdrängte dann wiederum aber auch immer wieder die besondere, sanfte Atmosphäre in der Kirche. Wildes Mittanzen, Aufstehen und das dauerhafte Filmen und Fotografieren mit dem Smartphone, rissen einen dann und wann aus der Stimmung. An der Stelle muss man vielleicht als Band einfach versuchen, zwischen gewohnter Animation und Performance auf der Bühne und einem Akustik-Set zu unterscheiden. Und verdammt: Als Konzertbesucher kann man auch einfach mal das Konzert genießen ohne jede Sekunde zu dokumentieren.


      Das soll es aber auch an Kritik gewesen sein. Denn, es war jederzeit greifbar, dass die Band genoss, was an diesem Abend geschah: Es huschten immer wieder verschmitzte und grinsende Blicke auf der Bühne hin und her, die Musiker fühlten sich in ihre Instrumente und auch das Solo-Stück der Pianistin und Sängerin Lisa Morgenstern verzauberte die Ohren.

      Nach einer umfangreichen und frenetisch beschrienen Zugabe und zusammen im Chor mit allen Anwesenden, endete der Abend mit “Sandmann” und vielen, vielen glücklichen Fans und, wie es schien, einer sehr zufriedenen Band.


      Bericht: Springteufel
      Bilder: :UnMensch: (lichtbildfactory.de)