Amphi Festival 2016 - Der Dunkel-Volk-Bericht

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    • Amphi Festival 2016 - Der Dunkel-Volk-Bericht

      Amphi 2016

      Das Amphi im Vorjahr brachte nebst digitalem Shitstorm aufgrund des Umzuges in die Lanxess Arena, auch einen handfesten Unwettersturm mit sich und kann von sich behaupten, das einzige Festival zu sein, was in diesem Zeitraum aufgrund wetterresistenter Halle stattfand. Trotzdem war das Feedback nach dieser einschneidenden Location-Änderung von Besuchern, möchte man den sozialen Medien glauben, häufig sehr negativ. Man vermisst den Tanzbrunnenflair und irgendwie war früher eh alles besser (sarkastisch auf den Punkt gebracht).

      Dieses Jahr beschloss man, wieder „nach Hause” zu kommen, in den Tanzbrunnen zurückzukehren und dafür einiges im Ablauf und auf dem Gelände anzupassen. Ob diese Entscheidung wirklich aufgrund des heimeligen Flairs getroffen wurde, oder an den verhältnismäßig eher mauen Ticketverkäufen liegt, sei dahingestellt.

      Die beiden Dunkel-Volk-Redakteure Julia und Florian ließen das Event kurzzeitig sacken und fassten ihren Senf zusammen:

      Vorab - Die Erwartungshaltung



      Julia: „Ganz ehrlich? Ich mochte die Lanxess-Arena sehr! Auch oder gerade weil ich viele Jahre am Tanzbrunnen schon gefeiert hatte, hat mich eine vollklimatisierte Halle mit Außenbereichen, abwechslungsreicher Gastro, massig Sitzgelegenheiten und Toiletten und schicker Akustik im Innenbereich sofort überzeugt. Tatsächlich kann ich bis heute nicht ganz verstehen, was so viele Besucher an der Location auszusetzen hatten. Dass es dann zurück zum Tanzbrunnen ging, hat mich ernsthaft etwas frustriert...”

      Florian: „Nun ist man zurück am Tanzbrunnen, muss auf Grund der aktuellen Lage vor Ort aber Kompromisse und Abstriche machen. Das Staatenhaus wird noch bis zum Juli 2017 von der Kölner Oper als Interimsspielstätte in Beschlag genommen. Das führt dazu, dass das Theater, sonst als intime Kulisse für Akustikauftritte, Lesungen oder ähnliches genutzt, nun als “große” Indoor-Bühne herhalten muss. Schlange stehen vorm Theater kennt man ja schon aus den letzten Jahren - in diesem Jahr war der Andrang aber teilweise so groß, dass ich mir einen Besuch trotz vielversprechender Bands beinahe komplett geschenkt hätte. Um die Ausweichbühne auf dem Schiff zu erreichen musste man gezwungenermaßen das Gelände verlassen und einen kurzen Fußmarsch zum Anleger der MS RheinEnergie in Kauf nehmen.”

      Julia: „Und wenn man schon mal am Jammern ist: Die Wetterprognose sah auch eher nach Waschmaschinen-Klima aus: Heiß und nass. Das Todesurteil für Make-up und Latex-Outfits!”

      Florian: „Tatsächlich war das Wetter gar nicht mal so unerträglich wie erwartet. Aber Wetter kann man dem Amphi ja nicht ankreiden… der erste Festivaltag startete auf jeden Fall schon mal sonnig.”




      Aktuell - Das Amphi 2016

      Julia: „[X]-RX ließen es sich nicht nehmen, das Festival auf der Main Stage zu eröffnen, eine gute Wahl. Generell waren an diesem Wochenende einige große Namen mit Strahlkraft auf dieser Bühne zu sehen. Tatsächlich war aber die Orbit Stage, welche komplett auf ein in der Nähe ankerndes Schiff verlegt wurde, mein Highlight an diesem Tag! Im Vorfeld hatte ich mir schon ausgemalt, wie voll der ‘Kahn’ sein wird, aber durch die Sitzgelegenheiten auf dem Deck verlief sich die Menge gut. Die Gastro war außerdem eine super Ergänzung zum Tanzbrunnen-Einerlei. Im Fokus standen aber natürlich die Bands wie Blood Sucking Zombies From Outer Space, Der Fluch oder auch Nosferatu. ”

      Florian: „Das Schiff hat mich positiv überrascht. Im Vorfeld schwante mir Übles im Hinblick auf die begrenzte Zuschauerzahl angesichts einer so speziellen Location, aber auch wenn bei Acts wie z.B. Faderhead die Luft zum schneiden dick war, schien es mir nie überfüllt, und auch der Einlass verlief flüssig. Wem es vor der Bühne zu stickig wurde, der konnte auf dem Sonnendeck entspannt Platz nehmen und die Aussicht genießen. Apropos überrascht: meine erste musikalische Überraschung des Tages waren ja die Bloodsucking Zombies From Outer Space. Auch wenn ich da bei vierzehn Jahren Bandgeschichte jetzt spät auf den Zug aufspringe, aber sowohl musikalisch als auch vom Auftreten her machen die Österreicher wirklich Spaß. Ich schätze Bands, die noch Bühnenoutfits und -persönlichkeiten pflegen. Von solchen musikalischen Überraschungen hätte ich mir an diesem Wochenende mehr gewünscht. ”




      Julia: „Ja, absolut! Rein objektiv war der Band-Mix auch in diese Jahr solide und gelungen für einen breiten Geschmack. Ich jammere aber mal auf hohem Niveau und sage: Vielleicht sollte man altbekannte Bands wie Covenant, Blutengel oder Solar Fake, welche sich gefühlt Jahr für Jahr die Klinke in die Hand drücken, durch neue Name und ‘klassischere’ Gothic-Bands austauschen. Einige Perlen von der Orbit Stage waren ein guter Start in genau diese Richtung!”

      Florian: „Blutengel, dieses Jahr zum ersten Mal (man glaubt es kaum) als Headliner schienen aber den Geschmack der Mehrheit zu treffen. Zumindest wenn man nach dem Andrang vor der Mainstage geht. Dieser blieb beim großen Finale am Sonntag eher aus. Bei den Editors blieb es vor der Bühne vergleichsweise übersichtlich, trotz gutem Auftritts einer von mir heißgeliebten Band. Überhaupt gab es, abseits meiner persönlichen Präferenzen, wenige Glanzlichter, die sich wirklich vom Grundrauschen abhoben.”




      Julia: „Das ist genau was ich meine: Das ganze Festival ist grund-solide, man vermisst aber Highlights. Mir fehlte dieses Jahr zudem das Rahmenprogramm wie Lesungen oder Vorträge. Dafür ist auf Großveranstaltungen wie dem WGT natürlich mehr Platz. Sag mal: Der Moderator Oliver Klein, meinst du, der war mal auf dem WGT? Ich meine mich zu erinnern, er erwähnte es hier und da in der Anmoderation. Also, immer wieder. Also wirklich jedes Mal.”

      Florian: „Mir fehlt da leider die WGT-Erfahrung, um das beurteilen zu können. Wo wir gerade bei den Moderatoren des Amphi sind: neben Urgestein Mark Benecke war ja auch Honey von Welle:Erdball vor Ort, der zudem ein interessantes Experiment versuchte, eine Art kreatives Teamwork. Bei ihm heißt das Songwriting c=64 interaktiv und stellt den Versuch dar, gemeinsam mit dem Publikum einen Song zu komponieren, der am nächsten Tag dann auch auf der Bühne vorgestellt wurde. Die Events auf den Schiffen waren wirklich kleine Highlights des diesjährigen Amphis”

      Julia: „Da stimme ich zu! Schade nur, dass das Theater als Konzertlocation eher negativ auffiel. Leider musste man zum Eingang des Theaters das Festivalgelände verlassen. Dadurch fiel nicht nur mehr Rennerei, sondern auch doppelte Einlasskontrollen an. So vermied man zwar lange Warteschlangen auf dem Gelände, hatte aber auch doppelt genervte Besucher, wenn diese keinen Platz mehr in der Halle fanden. ”




      Florian: „Genervte Besucher lassen sich aber einer gewissen Größe wahrscheinlich nicht komplett vermeiden. Dabei zeigte man sich von Seiten der Organisatoren entgegenkommend und stets bemüht sich Rückmeldungen zum Ablauf und Musikauswahl einzuholen und auf diese einzugehen. Die Besucherumfrage ist seit Jahren Teil des Festivalprogrammhefts, nicht zuletzt auf Grund des Besucherfeedbacks ist man wieder zum Tanzbrunnen als emotionaler Heimat des Amphi zurückgekehrt.

      Zukunft - Ein Ausblick

      Julia: „Die Mühen und die Kritikfähigkeit der Orga ist wirklich hervorzuheben! Aber, wohin bringen diese Kompromisse das Festival in der Zukunft? Erinnerst du dich an die Klassik-Konzerte in den Vorjahren im Rahmen des Amphi-Programmes auf der MS-Rhein Energie. Das war innovativ und begeisterte. Ich wünsche mir mehr dieser kreativen Einfälle und Alleinstellungsmerkmale!”




      Florian: „Also wenn wir bei Wünschen sind: ich wünsche mir (mehr) mutige Bandentscheidungen. Als ein Beispiel sei Atari Teenage Riot aus dem Jahre 2013 genannt. Eine Band, die ich nicht unbedingt auf dem Amphi erwartet hätte, und trotzdem ausgezeichnet funktioniert hat. Als ungewöhnlich könnte man in diesem Jahr zumindest Honeys interaktives Songwritingexperiment erwähnen (s.o.). Was mich aber noch mehr beschäftigt ist die Frage nach der Location. Wie geht es weiter am Tanzbrunnen? Ab wann steht das Staatenhaus wieder zur Verfügung, wie fängt man den Verlust vorher auf? Und wie plant man von den Besucherzahlen? Nach ausverkauften Jahren mit 16.000 Tickets hat man dieses Jahr auf 12.000 heruntergeschraubt. Geht diese Rechnung am in der jetzigen Situation dann noch auf, oder will man das Kontingent wieder auf den alten Stand (und darüber hinaus) aufstocken? Doch wohin mit dem ganzen Schwarzvolk? Gibt es da nicht eine Location in Köln, eine große Halle mit Außengelände vielleicht, wo noch mehr Leute reinpassen, mit allen Vorzügen?”

      Julia: ”Nein, eine solche Location scheint einfach zu gut um wahr zu sein! Irgendwie klingen wir aber gerade wie die Nörgler aus dem Vorjahr, für die wir kein Verständnis hatten, oder? Ziemlich sicher, wird man nie jedem Besucher vollends zufriedenstellen können. Und wenn wir ehrlich sind: So sehr wir uns an manchen Themen aufreiben, so sehr sind wir doch auch nächstes Jahr dabei.”

      Florian: „Ja, wahrscheinlich reiben wir uns deshalb daran auf. Und es ist ja schon offiziell angekündigt, dass es auch 2017 wieder zum Tanzbrunnen geht. Was jedoch in dem Jahr darauf passiert, und wie die Politik des Veranstalters bezüglich Location und Booking aussehen wird, bleibt ungewiss.”


      Love, Peace & Goth’n’Roll - man sieht sich auf dem Amphi 2017!

      Florian & Julia


      Fotos: lichtbildfactory.de


      Alle Bilder gibts in unserer Eventgalerie zum Amphi 2016!
    • NEWS schrieb:

      Florian: „... Das Staatenhaus wird noch bis zum Juli 2017 von der Kölner Oper als Interimsspielstätte in Beschlag genommen..."
      Der Zeitpunkt Juli 2017 ist reine Spekulation. Bis dahin kann noch viel bei der Sanierung der Oper schieflaufen. Ebenfalls Spekulation ist, ob, und wenn ja wann und wie, das Staatenhaus danach dem Amphi wieder zur Verfügung stünde. Der Erbbaurechtsvertrag mit dem Musicalveranstalter ist auf Eis gelegt, so lange die Oper dort untergebracht werden muß. Danach hat dieser Veranstalter ein Recht, vom Vertrag zurückzutreten. ...


      NEWS schrieb:

      Florian: „Also wenn wir bei Wünschen sind: ich wünsche mir (mehr) mutige Bandentscheidungen. Als ein Beispiel sei Atari Teenage Riot aus dem Jahre 2013 genannt...”
      Für mich war die Entscheidung für die Editors als Headliner einer der mutigsten der Amphi-Geschichte.
    • Alex schrieb:

      Der Zeitpunkt Juli 2017 ist reine Spekulation. Bis dahin kann noch viel bei der Sanierung der Oper schieflaufen.
      Das ist angesichts der Historie Kölner Großbauprojekte selbstverständlich. Präziser hätte es heißen müssen: "mindestens bis Juli 2017". Falls es aus dem Bericht nicht deutlich hervorgeht: ich rechne auf keinen Fall mit dem Staatenhaus fürs Amphi 2017.

      Alex schrieb:

      Für mich war die Entscheidung für die Editors als Headliner einer der mutigsten der Amphi-Geschichte.
      Das hab ich im Vorfeld gar nicht so gesehen. Ich war zwar zunächst überrascht, fand die Entscheidung beim Nachdenken dann aber doch einleuchtend, weil ich musikalisch durchaus diverse Anknüpfungspunkte und Brückenschläge zur "Szene" (TM) sehe.

      Im Nachgang, und mit dem schwachen Zuspruch des Publikums vor Augen, würde ich dir fast recht geben.

      Ich war trotzdem begeistert, dass sie da waren. :D