E-Tropolis Festival 2014 - Der Dunkel-Volk-Bericht

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    • E-Tropolis Festival 2014 - Der Dunkel-Volk-Bericht

      E-Tropolis 2014 - Der Ruhrpott bebt

      Vor einigen Monaten war klar - das beliebte Berliner Elektrofestival „E-Tropolis“ findet seine neue Heimat im schwarzen Ruhrpott, in der Turbinenhalle in Oberhausen.
      „Bässer, lauter, härter“ war nicht nur der Slogan sondern auch der rote Faden an diesem Abend, denn 15 Hochkaräter des Aggrotech, Hellectro und FuturePop-Genres sowie namhafte DJs gaben sich auf zwei Stages und einem Aftershow-Bereich die Klinke in die Hand.





      Kurz nach 13 Uhr öffnete die Turbinenhalle in einem Oberhausener Industriegelände ihre Pforten und Anhänger der schwarz-elektronischen Musik aus ganz Deutschland und umgrenzender Nachbarländer strömten in die Hallen.

      Bässer, lauter, härter!

      Schon auf dem letzten Amphi hatten Chrom die mehr oder minder ehrenvolle Aufgabe, das Festival als Opener einzuläuten. Häufig begrüßt einen dann ein noch etwas steifes Publikum, welches noch in Stimmung gebracht werden muss, doch Chrom hatten ihre Fans schnell im Griff und nach nur wenigen Takten von der poppigen und gefühlvollen Nummer „In my world“ war das Publikum angeheizt. Nach der Aufwärmphase wurde der Bass aufgedreht und mit „Morbid mind“ eine rauere Gangart eingeschaltet. Chrom liefern wirklich immer sehr solide Qualität ab, steigern sich dabei von Gig zu Gig und wissen mitzureißen. Auch deswegen soll an dieser Stelle noch einmal für eine „bessere“ Positionierung plädiert werden!


      Chrom



      Verdammt rotzig ging es auf der Second Stage zu - Steinkind machen keine Kompromisse und ballern ihrem Publikum ohne nette Ansage „Gottkomplex“ ins Gesicht. Wer lyrische Feingeister sucht ist bei der Band mit White Trash Charme an der falschen Stelle. Und so grölt das Publikum auch textsicher auf die Frage „Wer hat die dicksten Eier?“ inbrünstig „STEINKIND“. Egozentrisch und herrlich provokant in großen Gesten bieten Steinkind das, was Fans von ihnen erwarten und so verwundert es auch nicht, das auch die Second Stage von Anfang an gut gefüllt ist.



      Steinkind



      In einer ähnlichen Tonart gehen X-RX, und somit eines der persönlichen Highlights des Abends, ihr Publikum an. „Push it“ läutet die Show gebührend ein und macht direkt klar, was die Zuschauer in den nächsten vierzig Minuten erwarten wird - Dabei hebt sich die Band besonders durch eine ordentliche Portion Hardstyle-Einschläge und Selbstironie ab. So durfte auch das aus Van-Helsing-Samples bestehende „Kein Herz“ nicht fehlen. Passend eingesetzte Störeffekte und eine wahnsinnig energetische Show lassen dann auch gerne mal über einen oder zwei etwas verpatzte Einsetzer hinwegsehen. Hier wird eben live gespielt und dem Zuschauer auch optisch was geboten.



      X-RX



      Zu sagen, dass Faderhead mainstreamig sind, wären zu große Worte und maßlos übertrieben, zu behaupten, dass die Band sehr partytaugliche Gigs abliefert, treffender. Soll heißen, das Publikum wurde auch auf dem E-Tropolis sehr in das Konzert involviert, immer wieder angeheizt den Refrain mit zu singen und mit eingängigen Songs befeuert. Der Stimmung war das absolut zuträglich und das Publikum war auch vollends bei dem charismatischen Sänger Sami Mark Yahya, für den einen oder anderen dürften aber gerade dieses Anheizen eine Spur zu viel gewesen sein. Dennoch, Zeilen wie „Destroy, improove, rebuild“ gehen in Ohr und Bein und auch neue Lieder wie „Stand up“ wurden vom tanzwütigen Publikum gefeiert.



      Faderhead



      Tyske Ludder gehören schon seit den 1990er Jahren fest zum Grundinventar der EMB-Szene und so überrascht auch nicht, dass vor der Second Stage die Fans schon auf die para-militärisch anmutende Band wartete. Dabei setzt die Formation auch auf ältere Songs wie „An vorderster Front“, „Der androgyne Held“ oder „Eugenix“ sowie auf eine solide Show. Eingespielt und routiniert wird der Auftritt durchgerockt und bietet keine größeren Überraschungen aber sicherlich jede Menge Highlights für langjährige Anhänger.



      Tyske Ludder



      In gespaltener Erwartungshaltung erwartete ich den Auftritt von Aesthetic Perfection auf der Mainstage. Das neue Album „`Till Death“ schlägt ganz eindeutig ruhigere Töne an, als noch sein Vorgänger „All Beauty destroyed“ und ist sperriger und weniger eingängig. Der Opener Song „Big bad wolf“ von eben diesem neuen Album ist sicherlich recht poppig-eingängig aber verweilt eben nicht lange im Ohr. Allerdings bot die Band bei ihrem Auftritt eine gesunde Mischung als älteren, krachenderen Nummern wie „Inhuman“ und neuen Tracks. Die Mischung machte den Auftritt hier zu einer gelungen Show und konnte sicherlich dem einen oder anderen das experimentellere Album näher bringen.



      Aesthetic Perfection



      Was erwartet einen Agonoize-Fan bei einem Konzert? Ein stimmungsvolles, düsteres Bühnenbild, aggressive und harte Beats und vor allem eins: Kunstblut!
      Seit vielen Jahren lassen sich Agonoize nicht den Spaß nehmen, ihre Show mit literweise künstlichen Blut zu zelebrieren. Vor einer theatralischen, sakral anmutenden Kulisse auf der Mainstage, brüllte Frontmann Chris L. durch einen Hannibal Lektor-esken Maulkorb den Opener „I am“. Das Publikum quittierte dies mit frenetischen Applaus und fieberte dem blutigen Highlight entgegen. Schon bald spritzte das „Blut“ aus den Pulsadern und schmückte Körper und vor allem Gesichter des Publikums. Den ganzen Abend noch bis in die Nacht hinein, trugen viele Fans das Blut wie eine Art Abzeichen. Nicht zuletzt machten auch Szene-Hits wie „Koprolalie“ den Auftritt zu einem Highlight für Anhänger von Agonoize.



      Agonoize



      Zu einem weiteren Highlight an diesem Abend zählte ganz eindeutig „Rotersand“. Schien es zuerst so, als würden Hocico den Großteil der Besucher vor die Mainstage ziehen, drängten sich die Fans dann doch schnell bis vor das angrenzende Restaurant vor der Second Stage und wurde mit einer energetischen Show und einem ineinander-fließenden Remix aus, wie es schien, best-of-Rotersand (bsp. „Merging Oceans“, „Lost“) belohnt. Dabei war Sänger Nikov immer sehr nah an seinem Publikum und legte einen nicht enden wollenden Elan an den Tag.



      Rotersand



      Auf der großen Bühne wurden sicherlich nicht nur Frauenherzen schwach, als die norwegische Formation Apoptygma Berzerk die Bühne betraten und sich im wabernden Nebel auf der Bühne formatierten. Als Freund vom gezielten Einsatz von E-Gitarren waren Apop natürlich ein Muss und überzeugten auf ganzer Linie. Die Menge „gehorchte“ auf Fingerzeig und bewegte sich rhythmisch zu Songs wie „Eternity“ und "Kathy's Song" und war sehr ausgelassen und gelöst. Wer von den Jungs noch nicht genug bekommen hat, kann diese auch im Sommer auf dem Amphi Festival in Köln sehen.


      Apoptygma Berzerk



      Der Abend bewegte sich mit großen Schritten auf die beiden Headliner des Festivals zu. Von der ersten Sekunde an fegte der Belgier Johan van Roy, Mastermind und Sänger von Suicide Commando, wie ein Derwisch über die Bühne. Die Aggrotech-Ikone ließ nichts aus der Puste kommen, während der Performance von „The Perils of Indifference“ und „God is in the rain“. Begleitet von einer riesigen Videoprojektion im Hintergrund sowie seinem mittlerweile zum Live-Set gehörendem Schlagzeuger brachte Johan die Halle zum kochen.



      Suicide Commando



      Zum krönenden Abschluss präsentierte niemand geringeres als „Die Krupps“ ein buntes Potpourri aus bestimmt dreißig Jahren Bandgeschichte, aus Klassikern und Songs des neuen Albums. Nach der (löblicherweise) ersten kurzen Verzögerung, starten die international erfolgreichen Szene-Urgesteine ihre Show. Frei nach dem Motto „EBM meets Stromgitarre“ bildete sich schnell schon beim ersten und zweiten Song ein Moshpit im ersten Drittel der Halle, die bis zu den Ausgängen voll war. Titel wie „The Dawning of Doom“ oder „Risikofaktor“ sind natürlich prädestiniert für eine angeheizte Stimmung und Freunde des Nahkontakt-Tanzens. Mit diesem, zwar spärlich beleuchtetem aber umso gewaltigeren Auftritt ging der musikalische Teil des Festivals gebührend zu Ende.




      Die Krupps



      Wer nach diesem Spektakel die Füße noch nicht still halten konnte, hatte noch bis in die frühen Morgenstunden Gelegenheit in den Disco- und Aftershow-Bereichen zu tanzen und zu feiern

      Jeder Anhänger des breiten Gefildes schwarzer elektronischer Musik ist auf dem E-Tropolis auf seinen Geschmack gekommen. Die Bands waren sehr gut aufeinander abgestimmt und baten eine große Bandbreite. Leider nicht ganz so ideal durchdacht wie das LineUp war die Wahl oder eher die Vorbereitung der neuen Location. Ist die Turbinenhalle auf der einen Seite hervorragend ausgestattet mit sanitären Anlagen und ausreichedn (ruhigem) Raum für Händler, wirkte die Halle an manchen Bereichen zu eng und fast baufällig. Am industriellen Charme der Anlage nagte leider der Zahn der Zeit und so lief man manchmal Gefahr, im Dunkel der Halle in ungesicherte Bereiche neben Treppenrampen zu treten. Dazu kam, dass die Halle extrem schnell vermüllte, weil auf der einen Seite kaum Mülleimer zu finden waren und auf der anderen Seite in kürzester Zeit überall leere Plastikbecher lagen, da auf diese kein Pfand erhoben wurde. Ein weiterer Wermutstropfen war die etwas überforderte Gastronomie. Ich denke, sich über 3 Euro für eine Cola aufzuregen ist müßig und überflüssig, da es sich hierbei nun mal um Festivalpreise handelt. Viel schlimmer war nur, dass es zu wenig Möglichkeiten gab, Snacks und Mahlzeiten zu kaufen. Neben einer Wurstbude gab es noch das, etwas abseites gelegene, Restaurant. Dieses war zwar komplett überfordert mit der Menge an hungrigen Gästen, hatte aber löblicherweise ein Herz für Veganer und Vegetarier und bot auf für den schmalen Geldbeutel Kleinigkeiten an. Hatte man dann nach langer Wartezeit Nahrung ergattert, konnte man sich auf den zahlreichen Sitzplätzen hinter dem Restaurant niederlassen. Ein wichtiger Punkt, der auf vielen Festivals immer wieder kritisiert und nicht bedacht wird. Etwas verwirrend war leider, dass ein Großteil der Gastronomie nur separat zu erwerbende Bons als Zahlungsmittel entgegennahm, der Met beispielsweise jedoch mit Bargeld erworben werden musste.






      Doch, das E-Tropolis hat sehr viel Spaß gemacht. Die Musik, die eindeutig im Fokus stand, hat auf ganzer Linie überzeugt und die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Auch muss nicht von der Turbinenhalle als Veranstaltungsort abgewichen werden, aber an einigen Punkten muss noch bis zum nächsten Jahr nachgebessert werden. Wir sind ganz sicher auch beim nächsten mal wieder dabei und freuen uns, diese „junge“ Veranstaltung in Oberhausen wachsen zu sehen!



      Puppée Fabrikk


      Weitere Bilder vom Abend findet ihr in unserer kleinen Galerie zum Festival .