X. Amphi Festival 2014 - Bericht von Seelenhexe

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    • X. Amphi Festival 2014 - Bericht von Seelenhexe


      Amphi-Festival, die Zehnte Ausgabe - Das Amphi der technischen Pannen

      Ende Juli wird der Kölner Tanzbrunnen zum Mekka der schwarzen Szene, doch dieses Jahr war es nicht irgendein Amphi, nein, es war die zehnte Ausgabe des beliebten Festivals.
      Es wird den Besuchern in Erinnerung bleiben, aber wohl eher aufgrund von Pannen in der Technik denn aufgrund des Jubiläums.

      Mit Front 242 hatten sich nämlich als Headliner für Samstag Ikonen angekündigt, und nicht wenige Anhänger waren hauptsächlich wegen ihnen nach Köln gekommen. Sie sollten den Samstag Abend auf der Mainstage bestreiten, doch nach dem gefühlt zehnminütigen Intro machten sich technische Probleme bemerkbar, so dass der Auftritt nach kurzer Zeit beendet wurde. Die Band verschwand und zurück blieben ratlose Fans, die sich von nun an in Geduld üben mussten, denn es ging erst knapp eine Stunde später weiter. “Body To Body” eröffnete ein extrem kurzes Set, denn aufgrund von Anwohnerschutzmaßnahmen muss um 2200 Uhr der letzte Ton verklungen sein. Die Show der Belgier war mindestens genauso wichtig, wie die Musik selber, Tarnnetze und eine riesige, grobpixelige Leinwand sorgten für die optische Unterhaltung während des Gigs. Trotz der langen Wartezeit stieg die Stimmung von Song zu Song, die Fans waren heiss, ihre Band endlich zu sehen. Sie peitschten der Menge mit den Worten “Deutschland Weltmeister und Amphi 10 Jahre, das ist der Hammer-Sommer” ein.
      Immerhin kam das Publikum doch noch in den Genuss von feinstem EBM.


      Bis zu diesem Vorfall verlief der Samstag in geregelten Bahnen, es war fast alles wie immer. Die Händler sind inzwischen gut durchgetauscht, es tummeln sich darunter auch immer mal wieder neue, andere Stände mit Bekleidung. Auffällig war dieses Jahr die Vielzahl an teils handgefertigtem Schmuck, der angeboten wurde. An Tonträgern bekam man auch alles, was der Herz begehrte, egal ob Neuerscheinung, limited Edition oder derzeit angesagtes Vinyl. Lediglich der offizielle Merchandise Stand sollte sich besser bevorraten, da insbesondere bei den Band-Shirts für Frauen bei Größe M, bestenfalls L, Schluss war.

      Mit Centhron stand am frühen Samstag-Nachmittag eine Band auf dem Programm, die bereits über eine große Fanbase verfügt und entsprechend voll war das Staatenhaus auch zu diesem Zeitpunkt. Elmar Schmidt bot einen Querschnitt seines bisherigen Schaffens mit Centhron, so fanden viele verschiedene Songs ins Set. Der Sound war sehr gut abgemischt, es wurde vor und auf der Bühne eifrig geheadbangt und getanzt und die Band gab wirklich alles. Der obligatorische Bühnenaufbau bestand wie immer bei Centhron aus zwei aufgespießten Tierköpfen, zwei Bannern mit dem Bandlogo sowie einem schummrigen Licht, was dazu führte, dass die Keyboarderin nur als Statistin wahrgenommen werden konnte. “Dreckstück”, “Dark or die” und der Clubhit “Asgar” kamen allesamt sehr gut an, und die Band hatte sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Elmar Schmidt bot zum Schluss noch etwas für die weiblichen Fans, indem er mit freiem Oberkörper über die Bühne schritt und jeder seinen gut gebauten Körper bewundern konnte. Die Effekte waren glasklar zu hören, und die drei Musiker machten einen Mordslärm. Ein sehr gelungener Auftritt, bei dem Centhron die Möglichkeit für sich und ihre Musik zu werben, bestens nutzten. Schade, dass sie nur einen kurzen Slot hatten, bitte mehr davon!!



      Als nächstes spielten Lord of the Lost auf der Mainstage. Vor zwei Jahren waren sie noch Opener, so konnten sie sich inzwischen später platzieren. Auch hier bot die Band eine ansprechende Show, die vier Musiker, mit Ausnahme von Chris Harms, waren pechschwarz geschminkt. Der “Lord” selber trug lieber silber, dazu einen Patronengurt. Angekündigt wurden sie als “keine reine Mädchenband”, obschon die meisten Fans der Hamburger doch eher weiblich sind. Die Band legte einen professionellen, teilweise wie ein Arbeitsauftritt wirkenden Gig hin. Es entwickelte sich kaum Stimmung. Immerhin beherrschte Chris die komplette Variation seiner Stimme, von melodischem Gesang hin zu massiven Growls, auch live in Perfektion. Zum Ende des Sets kamen nach “Afterlife” einige ältere Songs zum Zuge, u.a. “Dry the rain”, “Sex on legs” und bei “Black Lolita” gingen dann auch die Fans mit. “We give ou hearts” beendete dann einen souveränen Auftritt und die inzwischen vorhandenen Crewmitglieder durften dann die Instrumente entfernen.

      Kurz danach sorgten Aesthetic Perfection im Staatenhaus mit ihrem Mix aus Industrial-Emo-Rock für eine volle Halle. Die Amerikaner um Daniel Graves zählen zu den aktivsten Bands, was Live-Performances betrifft. Mit “Happily Even After” vom aktuellen Longplayer begann ein abwechslungsreiches Set, in dem Songs aus allen Schaffensperioden zum Einsatz kam. Single-Hits wie “Inhuman” und besonders “Antibody” sangen die Fans lautstark mit. Der Bühnenaufbau war wie bei allen anderen Gigs der Band schlicht gehalten. Songs wie “Oh Gloria!” des im Februar erschienenen “til Death” waren den Fans hinlänglich bekannt. Auch “The Siren”, “Big Bad wolf”, und “The new black” kamen gut an und sorgten für Stimmung. Einziger Kritikpunkt: Daniel war kaum zu hören. Aesthetic Perfection sind im August noch mit Combichrist auf Tournee, wer also auf den Geschmack gekommen ist, kann die drei Jungs nochmal in verschiedenen Städten sehen.


      Weiter gehen sollte es mit Nachtmahr, aber zunächst galt es eine sehr lange Umbaupause zu überstehen, die auf Großes hoffen ließ. Eine große Videoleinwand sorgte für die visuelle Unterstützung als Thomas Rainer mit seinen Damen wie in einer militärischen Formation einmarschierte und mit “Tanzdiktator” das Set eröffnete. Nachtmahr spielten mal wieder mit allen Klischees, und es war ein Auftritt, wie man ihn erwartete: Uniformen, Kriegsvideos, aber auch stampfende Beats. Wollte man böse sein, könnte man sagen, es sei “Krach aus der Konserve”. Nach einem sehr guten Start folgten nach “Die Fahnen unserer Väter” einige - wie ich fand - schwächere Songs, die der Begeisterung aber keinen Abbruch taten. Eifrig tanzten die Fans vor der Bühne und auch Thomas Rainer hatte Spaß am Auftritt und tobte sich auf der Bühne aus. Er verstand es, die Fans mitzureißen. Dank zahlreicher Ansagen holte er das Publikum immer auf seine Seite. Das Set war abwechslungsreich, gönnte sich der Österreicher auch einige Gesangspausen, z.B. bei “Boom, Boom, Boom”. Bei “Mädchen in Uniform” musste er fast nicht mehr singen, da die Fans das übernahmen. Die Videoleinwand war zwar gut gemeint, aber aufgrund der Lichteffekte auf der Bühne kaum zu sehen. “Can you feel the beat?”, “Weil ich’s kann” und “Liebst du mich?” sorgten für weitere Höhepunkte eines sehr guten Auftritts, der allen Beteiligten viel Spaß bereitete.


      Blutengel & The Monument Ensemble boten ein Highlight der besonderen Art am Samstag Abend. Die sonstige Karaoke-Show von Chris Pohl ersetzten Streicher und zwar in einer Art und Weise, dass ich mich während des Auftritts nicht entscheiden konnte, ob ich mich freuen soll über die schöne Darbietung oder ob die Melancholie Überhand gewinnt.

      Die Setlist bestand aus einem “Best Of” von Blutengel und bei dieser Darbietung dürfte auch dem letzten Neider klar geworden sein, dass Chris Pohl tatsächlich gute Songs schreiben kann, denn bekanntlich funktioniert ein gutes Stück ja in jeder Version. Titel wie “Lucifer”, “Monument” oder “Kinder dieser Stadt” hörten sich in der Klassik-Version ganz anders an, als der ursprüngliche Titel. Melancholie machte sich breit statt stampfenden Beats, wie man sie sonst von Blutengel kennt. Chris’ Stimme kam gut zur Geltung und das rote Abendlicht sorgte als Kulisse vor der Mainstage für das passende Ambiente zu dieser Darbietung. Was gibt es Schöneres, als zu “You walk away” oder “Reich mir die Hand” bei angenehmen Temperaturen in der Abendsonne im Gras zu sitzen?

      Der Sonntag sollte dann von den Temperaturen heißer werden als der Samstag, so dass den ganzen Tag über die Schattenplätze sehr begehrt waren. Leider hatten viele Besucher vergessen entsprechenden Sonnenschutz aufzutragen, so dass nach wenigen Stunden bereits zahlreiche krebsrote Menschen zu sehen waren. An den Trinkwasserstellen herrschte reger Betrieb, und das, obwohl es dieses Jahr erneut mehr Plätze dafür gab.


      Die erste Band des Tages für mich waren Solar Fake, die bereits zum dritten Mal auf dem Amphi zu sehen waren. Laut Sven Friedrich sei das Amphi “das schönste Festival”. Auf der spartanisch eingerichteten Bühne gaben er und sein angeschmierter Counterpart Frank hingegen alles, so, wie man es eben von den Berlinern kennt. Der Sound war gut und kam den Originalversionen auf CD erstaunlich nahe, selbst die Verzerrungen in Sven’s Stimme klappten ausgesprochen gut. Querbeet ging es durch alle Alben der Band, und das Publikum war bereits sehr zahlreich erschienen. Von Beginn an war die Stimmung sehr gut, zahlreiche Besucher wippten vor der Bühne zu “Here I stand”, “More than this” oder “Face me”. Der brave Elektropop aus dem Hause Friedrich kam gut an, ein späterer Slot mit längerer Spielzeit wäre sicher angebracht gewesen. Die Musiker waren nach kurzer Zeit verschwitzt und Frank ging so sehr mit, dass das Pult seines Keyboards wackelte. Bekannt für ihre Coverversionen, entschieden sich Solar Fake, “One Step Closer” von Linkin Park zu spielen. “The Pages” vom aktuellen Album “Reasons to kill” beendete einen guten, gewohnt agilen Auftritt, allerdings eignet sich dieser Song nicht unbedingt als Rausschmeißer, da viele Zuhörer schon die Platz verließen, als die Band noch spielte.

      Alte Bekannte auf dem Festival in Köln sind auch die Hamburger von Mono Inc. mit neuer Platte im Gepäck spielten sie eine Stunde. Trotz Temperaturen über 25 C erschien Sänger Martin im langen Mantel und eröffnete mit “Heile, heile Segen” das Set. Dazu Pyros und Nebel, aber trotzdem: Der Auftritt wirkte über weite Strecken leidenschaftslos, die Songs plätscherten so vor sich hin...Mono Inc bieten immer das gleiche, wenn auch in einer guten Qualität. Mitreißen konnte mich der Auftritt leider nicht. Insgesamt waren auch weniger Zuschauer vor der Mainstage als bei den letzten Mono Inc Auftritten auf dem Amphi. Entweder war es dem Publikum zu warm, zu sonnig oder sie sind einfach auch gesättigt was Mono Inc betrifft, da die Band gefühlt immer auf Tour ist. “Arabia” bot einige Einlagen mit Feuer auf der Bühne, der Song zog sich aber unnötig in die Länge. Schlagzeugerin Katha Mia bekam auch wieder ihren großen Soloauftritt, und angesichts der Tatsache, dass die Spielzeit auf einem Festival eh begrenzt ist, stelle ich mir die Frage, ob sowas dann sein muss. Gegen Ende des Sets wurde die Stimmung dank “After the war” und “Voices of Doom” auch besser, die Fans sagen sogar mit und ein durchnässter Martin Engler verließ mit knallrotem Kopf die samt Band die Bühne.


      Die Norweger von Apoptygma Berzerk wurden nur mit “Apop” angekündigt und ein toller, mitreißender Gig nahm seinen Lauf. Stephan Groth im üblichen Bühnenoutfit mit grünem Military-Hemd und schwarzer PVC Hose zog alle Blicke trotz Nebels auf sich. Leider war der Sound bzw..die Abmischung grottenschlecht, sowas habe ich bei meinen Konzerten innerhalb der letzten 15 Jahren noch nie erlebt. Außer dem Bass war nichts zu hören, kein anderes Instrument und auch kaum Gesang. Teilweise ließen sich die Songs, nur erahnen, aber das Publikum sang lauthals mit, so dass Stephan Groth gar nicht hätte selber singen müssen. Es herrschte eine gute Stimmung, auch wenn sich der Sound bis zum Schluss nicht bessern sollte. Die Single “Eclipse” spielte die Band in einer etwas anderen Version als von CD bekannt, diese kam gut an.

      Zaungäste dieses Konzerts am Bühnenrand waren Ronan Harris von VNV Nation und Martin Engler von Mono Inc, die sichtlich begeistert die Show der Norweger verfolgten. Der Auftritt war voller Spielfreude, Stephan animierte die Menge und Songs wie “Shadow” oder “Kathy’s Song” sang das Publikum lauthals wie Hymnen mit.

      Apoptygma Berzerk spielten ein “Best Of”-Set, allerdings eher mit Songs ab dem Jahr 2000, was die Fans aber mochten. Natürlich fehlte auch die letzte Single “Major Tom” nicht, die die Fans auf Deutsch mitsangen, während Stephan die englischen Lyrics sang. Die Skandinavier gaben alles, während Daniel Graves von Aesthetic Perfection die ersten Reihen vor der Bühnen mit Wasser-Flaschen versorgte. “Starsign” und “Paranoia” fehlten natürlich auch nicht, und “Non-stop Violence” beendete ein energiegeladenes Set, welches keine Wünsche offen ließ. Da können sich Mono Inc eine Scheibe von abschneiden.


      Meinen Abschluss des Amphi 2014 sollten Die Krupps bilden, leider unterbrach die Band bei “High Tec, Low Life” nach den ersten zehn Minuten das Konzert, da laut Jürgen Engler die Bühnenmonitore defekt waren und sich die Band nicht selber hören konnte. Er kündigte aber an “wir bleiben, wir gehen nicht einfach!”, als kleiner Seitenhieb auf Front 242, die abends zuvor wutschnaubend die Mainstage aufgrund technischer Probleme verließen. Die Düsseldorfer und auch ihre Fans nahmen es mit Humor, so waren laute “Zugabe, Zugabe”-Rufe aus dem Publikum zu hören. Nach weiteren zehn Minuten ging es dann mit “Risikofaktor” weiter, das Problem war also relativ schnell behoben. Die Krupps und insbesondere Frontmann Engler bewiesen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Der Sänger war wie immer gewohnt fit und gut gelaunt, und auch der übliche Moshpit bildete sich in der Mitte der Halle. Es folgten zahlreiche Songs der aktuellen CD, wie “The Machinists Of Joy”oder “Schmutzfabrik”. Natürlich duften auch Klassiker wie “Der Amboss”, “To The Hilt” oder auch der Über-Hit “Fatherland” nicht fehlen. Leider kam es zu einigen Rückkopplungen, ansonsten zählte die Abmischung zu den besten auf dem Amphi, selbst Ralf Dörpers Effekte waren auszumachen. Er selber blieb schemenhaft im Hintergund der Bühne, aber Engler flitzte dafür auf und ab. Sein Gesang ließ nichts zu Wünschen übrig. Gut kam besonders “Industriemädchen” an, die 2012er Single.
      Glücklicherweise überzogen die Krupps ihre Spielzeit, so dass die Fans in den Genuss des kompletten Sets kamen. Ob “Wahre Arbeit, wahrer Lohn” auch noch gespielt werden sollte, blieb mir unklar, als dies kurz von Engler a cappella angestimmt wurde und er kurzerhand einige Zeilen gemeinsam mit dem Publikum sang. Insgesamt ein sehr versöhnlicher Auftritt und Abschluss des Amphis!