ASP Requiembryo-Tour 2, 13.12. in der Live Music Hall, Köln

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • ASP Requiembryo-Tour 2, 13.12. in der Live Music Hall, Köln

      Es war kalt, es regnete und es war ein Dienstag. Das erklärt vielleicht, warum sich nur ein vergleichsweise kleines Häuflein Fans vor den Toren der Live Music Hall versammelt hatte. Schade für ASP, aber von Vorteil für die Zuhörer, denn so gab es genügend Platz in der Halle und sogar an der Theke, um sich seinen idealen Standort zu suchen. Doch noch war es nicht so weit.

      Diejenigen, die schon frühzeitig angekommen waren, sammelten sich unter dem Vordach links vom Eingang. Doch ab etwa zwanzig vor sieben, als der Regen allmählich nachließ, sammelte sich auch rechts ein Grüppchen, ganz nach dem Motto: "Die Schlange steht IMMER rechts vom Eingang. Und wir sind doch nicht aus Zucker!" Trotzdem blieb alles friedlich. Die Leute vor mir boten, weil sie zu viel gekauft hatten, sogar Freibier an, welches allerdings wohl wegen des Wetters, aber auch wegen der Qualität (das in Plastikflaschen, ihr wisst schon …) nicht gerade reißenden Absatz fand. Glühwein wäre wahrscheinlich besser angekommen.

      Als der Eingang geöffnet wurde, fädelten sich beide Schlangen nach dem jedem Autofahrer bekannten Reißverschluss-Prinzip problemlos hinein. Obwohl ein Teil der Halle mit Vorhängen abgetrennt war, gab es reichlich Raum, um herumzustehen und mit Freunden zu klönen. Nur am Merchandise-Stand gab es dichtes Gedränge, obwohl einige der schönsten ASP-Fanartikel gar nicht dabei waren, wie etwa das T-Shirt mit dem "Ich will brennen"-Schmetterling oder die mit den Pit-Hammann-Motiven. Dafür gab es unter anderem die CD "Nie mehr! – Die verschollenen Archive 1", die nur bei Konzerten und über den ASP-Shop zu bekommen ist und offiziell erst ab 19.11. lieferbar sein sollte.

      Eine Viertelstunde früher als angekündigt, nämlich schon um 19.30 Uhr, betrat die fünfköpfige Vorgruppe Elis die Bühne. 2002 aus der Band Erben der Schöpfung entstanden und mit bereits vier veröffentlichten CDs ist sie kein Newcomer mehr. So war ich sehr gespannt auf ihre Musik, die bei Wikipedia als "Symphonic und Gothic Metal" deklariert und von Elis selbst auf ihrer Homepage als "von der Presse aus allen Ländern begeistert aufgenommen" bezeichnet wird. Überhaupt sparen sie nicht mit Eigenlob. So heißt es von ihrer neuen CD "Griefshire" vollmundig: "…noch aggressivere Gitarrenriffs und schnellere Songs kennzeichnen das Album; betont eingängige Midtempo-Kracher wie die Gothic Metal Hymne „Show Me The Way“ und balladeske Töne ala’ „Forgotten Love“ wurden aber ebenfalls beibehalten und verfeinert. Somit ist „Griefshire“ die logische Weiterentwicklung in der Geschichte von ELIS: ein kompaktes und reifes Gothic-Metal-Album, das niemals eintönig oder aufgesetzt klingt." Auch der Hinweis darauf, dass sie bereits zwei Gedichte von Georg Trakl vertont haben, ließ vermuten, dass sie gut zu ASP passen würden, denn die haben einen stark literarischen Hintergrund.

      Elis-Fans mögen mir verzeihen, aber Musik ist nun mal auch Geschmacksfrage. Mein Eindruck nach den ersten Akkorden war vor allem einer: "LAUT!" Es war wirklich eines der wenigen Male, wo ich mich bei einem Konzert nach Ohrstöpseln gesehnt habe. Dazu eine Sängerin (Sandra Schleret), deren Stimme in mir Erinnerungen an Kate Bush wachrief ("Damit kannst du Glas zerkratzen!"), die sich ständig in großen, theatralischen Gesten erging oder in bauchtanzähnlichen Windungen über die Bühne schlängelte … Mag ja sein, dass die Texte gut sind, aber davon bekam man nichts mit, denn selbst bei dem zumindest ruhig einsteigenden Song "Der letzt Tag" wurden die Lyrics schon allzu bald von der Wucht der Musik erschlagen. Großen Applaus gab es nur in den ersten Reihen, wo sich offensichtlich die Freunde der Band versammelt hatten. Ansonsten klang es mehr nach Anstandsbeifall.

      Nach einer halben Stunde war jedenfalls Schluss und meine Trommelfelle durften sich ein wenig erholen. Auch die Halle füllte sich wieder etwas mehr, denn einige hatten die Zeit offensichtlich genutzt, um vor der Tür noch ein wenig Luft zu schnappen oder kamen überhaupt erst jetzt.

      Um 20.30 Uhr betraten ASP in blaues Licht getränkt die Bühne und begannen ihr Konzert mit dem eindringlichen Song "Offährte", dem ersten Stück auf der "Requiembryo"-CD. Nach diesem ruhigen Einstieg wurde es abenteuerlich: Das Licht verlöschte, doch dann rissen grellend weiße Blitze regelrechte Löcher ins Schwarz und es erklang "How far would you go? (The 6th of September)". Die Bühnenlandschaft wirkte in dieser Beleuchtung irreal und man hatte plötzlich das Gefühl, selbst für einige Augenblicke gänzlich aus der Realität und Gegenwart in eine imaginäre Welt gerissen zu werden.

      Die ersten Stücke reihten sich fast nahtlos aneinander. Erst nach dem vierten begrüßte Sänger und Namensgeber Asp das Publikum, wobei ihm eine leichte Enttäuschung über die geringe Zuhörerzahl anzumerken war. Doch das sollte ihn nicht daran hindern, auch im weiteren Verlauf des Abends sein Bestes zu geben. Anmoderationen beschränkten sich zwar auf ein Minimum, aber immer wieder animierte er die Leute erfolgreich mit ausladender, fast pantomimenhafter Gestik zum Mitmachen.

      Manche Songs wurden regelrecht inszeniert, wie etwa "Demon Love", für das die Bühne in Nebel und rotes Licht gehüllt wurde, das hauptsächlich von hinten aus etlichen Scheinwerferleisten kam, die es wie Flammen auf- und absteigen ließen, während Asp selbst mal weiß, mal in einem hellen Blau angestrahlt wurde, so dass er, auch unterstützt durch sein typisches Make-Up, wahrhaft dämonisch wirkte und man sich an den Eingang zur Hölle versetzt fühlte.

      Überhaupt verströmte dieser Mann eine überwältigende Präsenz und beeindruckte nicht zuletzt durch seine Stimmmodulation, die live noch sehr viel besser wahrzunehmen war als von CD. So klang "She Wore Shadows" etwa, als stünden dort mehrere Sänger, die im Wechsel sangen. Mühelos wechselte Asp im Laufe des Abends immer wieder vom sensiblen zum dämonischen zum nachdenklichen zum hasserfüllten zum todunglücklichen Protagonisten.

      Natürlich durften Lieder wie "Ich bin ein wahrer Satan", "Ich will brennen" und "Schwarzes Blut" nicht fehlen, doch dazu gab es noch reichlich Songs von der neuen CD, die allesamt überzeugten, und zu guter Letzt sogar zwei Zugaben!

      Danke, ASP, für einen wunderbaren Abend, an dem es euch einmal mehr gelungen ist, uns in eure fremde, fantastische, (alp)traumhafte, düstere Welt zu entführen!

      Nur, das nächste Mal vielleicht bei der Bühnenshow etwas weniger Blitzgewitter, durch das ich für den Rest des Abends heftige Kopfschmerzen hatte. Oder der Hinweis auf dem Ticket: Für Epileptiker nicht geeignet.
      :twisted:
      I am a pirate
      with empty hands
      but thoughts of silver and gold
      ...
      ________
      Y.P.
    • Ohja sehr schöne Beschreibung! *lob* kann ich definitiv nicht im geringsten besser machen!

      Naja ich hatte viel Freude an dem Abend.. ein Satz, der mir von meiner Freundin (wir standen 2te Reihe) von dem Abend im Ohr geblieben ist: "Nein... er guckt nciht bedrückt.. er schaut auf seinen Text! XD"