Welle:Erdball, 24. 11. 2007, Live Music Hall, Köln

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    • Welle:Erdball, 24. 11. 2007, Live Music Hall, Köln

      Welle:Erdball, 24. 11. 2007, Live Music Hall, Köln

      Piiiiiiiiep. Piep-piep. Dideldi... „…ach ja, so war das damals“ - wenn man jemanden, der Mitte der 80er Jahre am Phänomen „Heimcomputer“ partizipierte, auf den C-64 anspricht, wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genau diese Empfindung verspüren. In nostalgischer Verklärung erinnert man sich dann der klobigen Tastatur, der Datasette, bei der Ladezeiten von 45 Minuten für solch komplexe Spiele wie „Hanse“ die Regel waren, der Floppydisc im handlichen Schuhkartonformat, und an legendäre Spielnachmittage bei „SummerGames“ und „Wizard of Wor“. Zugleich stellt man mit Erleichterung fest, dass die technische Entwicklung diesen Inbegriff von Modernität zum 25. Jubiläum als ähnlich fortschrittlich erscheinen lässt wie einen Faustkeil. Da aber die technische Leistungsfähigkeit des Commodore-Flaggschiffs mittlerweile von jeder Armbanduhr überboten wird, sollte man doch eigentlich annehmen, dass eine Musikgruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Großteil ihrer Klangerzeugung mit diesem Gerät zu bestreiten, außer kurzlebigen Gefühlen der Nostalgie bei Endzwanzigern bis –dreißigern wenig bewirken könne. Doch weit gefehlt: mag sich bei den ersten Veröffentlichungen nach einiger Zeit beim Hörer ein gewisses Sättigungsgefühl an Piep-Rhythmik und Fiep-Melodien eingestellt haben, überzeugte die Gruppe spätestens seit dem Album „Tanzpalast 2000“ von 1996 mit gutklassigem Electro-Pop, nicht ohne Varianten, aber klar dem eigenen Stil folgend – ein Weg, der beim aktuellen Album „Chaos Total“ seine ebenso gereifte wie konsequente Fortsetzung erfuhr.

      So weit, so gut. Wie würde sich dies aber „live“ umsetzen lassen, wo doch rein digital erzeugte Klangwelten von der Bühne gelegentlich so steril und aseptisch, aber auch so begeisternd und mitreißend wirken wie eine Dose Sagrotan-Spray? Wie will man einen Spannungsbogen erzeugen und über zwei Stunden aufrecht erhalten, wenn der Titel des größten Hits „Monoton und minimal“ zugleich die Maxime des künstlerischen Schaffens ist? Die Antwort ist einfach: genau so, wie Welle:Erdball es an jenem Abend gemacht haben. Die Live Music Hall, die sich mittlerweile vom optischen und akustischen Schandfleck Kölns zu einem kleinen Schmuckstück gemausert hat, war bereits gut besucht, als bald nach 20 Uhr zunehmend hektische Betriebsamkeit hinter dem Bühnenvorhang sowie Honeys gereizte Mikrodurchsagen „Wir wollen starten“ auf einen baldigen Beginn deuteten. Kurz darauf war es soweit: zu den Klängen des Kraftwerk-Klassikers „Wir sind die Roboter“ sah man vier Gestalten, umgeben von einer effektvoll künstlichen Bühnendeko, die mit ihren mechanisch abgehackten Bewegungen kurzzeitig tatsächlich Zweifel an ihrer Menschlichkeit aufkommen ließen: Sänger Honey, Programmierer A. L. F. sowie die Mädchen für Alles, Plastique und Frl. Venus.

      Der Sound war zunächst etwas dünn, pegelte sich aber schnell auf ein wuchtiges, dennoch gut hörbares Maß ein, und blieb daselbst bis zum Ende des Gigs. Dies scheint auf der Bühne anders gewesen zu sein, denn nach diesem fulminanten Auftakt folgte an Stelle einer Begrüßung oder ähnlichem zunächst einmal erneut betriebsame Emsigkeit, verbunden mit stetigen Nachfragen Honeys, ob denn der Monitor funktioniere. Aber just als der verwirrte Besucher meinte, er sei nicht Zeuge des Konzertbeginns, sondern des Soundchecks, ging es dann doch weiter – und spätestens mit dem ersten richtigen Eisbrecher „Wir wollen keine Menschen sein“ war der etwas holprige Start vergessen.

      Klassiker wie „Schweben, Fliegen, Fallen“ oder „W. O. L. F.“ entwickelten dabei ebenso wie neue Songs („Der Telegraph“; „Alpha-Tier“) eine kaum für möglich gehaltene Live-Dynamik, was in erster Linie ein Verdienst des nicht enden wollenden Einfallsreichtums bei der optischen Aufbereitung der beabsichtigt monotonen Musik war. Insbesondere die anwesende Weiblichkeit, Plastique und Frl. Venus, waren permanent im Einsatz: sei es, dass man in schmucker schwarzer Uniformästhetik auf digitale Trommeln schlug (auch wenn man sich dabei unverkennbar an Laibach orientiert hatte), sei es dass man im stilechten 50er Jahre Outfit Wunderkerzen verteilte oder Luftballons ins Publikum warf oder selbst zum Mikrofon griff und wie bei „Ich bin aus Plastik“ zeigte, dass nicht nur Frontmann Honey über eine ausdrucksstarke Stimme verfügt. Als nach weiteren Hits (u. a. „Arbeit adelt“: man traktierte ungemein effektvoll ein Ölfass mit rhythmischen Schlägen; „Starfighter F104-G“ bei dem Papierflieger ins Publikum starteten) „Wo kommen all die Geister her“, verbunden mit dem Aufruf, Brandanschläge auf die Sendemasten privater Fernsehanstalten zu verüben, als letztes Stück angekündigt wurde, befand das Publikum einstimmig: Zugabe!

      Dem wurde prompt stattgegeben: dabei durften nicht fehlen „Monoton und minimal“ sowie ein interessantes Cover des Fehlfarben-Krachers „Es geht voran“, bevor „Elektrosmog“ nach knapp zwei Stunden den endgültigen Abschluss bildete. Hoch zufrieden und mit dem genauen Gegenteil von Sättigung, nämlich dem unstillbaren Verlangen nach mehr Welle:Erdball machten sich alle Anwesenden auf den Heimweg von einem Konzert, für das es nur ein Fazit geben kann: Eine grandiose Piep-Show. Oder auf C-64-isch: 10 PRINT "Wundervoll!"; 20 GOTO 10 Text: Stefan Schrumpf Bilder: Yves Christelsohn (black-dimension.de)
      Quare religio pedibus subiecta vicissim
      opteritur, nos exaequat victoria caelo.
    • Uralt-Nachricht:

      "The Amiga 1010 comes with a 68060 or PowerPC 604 CPU, 40MB of RAM, 8GB SCSI hard drive, DVD-ROM, ZIP drive, and 15-inch monitor for $799. The 510 comes with 32MB of RAM and without a DVD or ZIP drive, and it sells for $499."
    • ":UnMensch:" schrieb:

      ich hab zwar keine ahnung, wovon ihr da redet, aber der abend mit dir, lieber stefan, war wie immer wundervoll... *verneig*


      :D

      Im übrigen muss ich das eben getane Lob nochmals ausweiten - die Fotos sind aber mal richtig cool!
      Quare religio pedibus subiecta vicissim
      opteritur, nos exaequat victoria caelo.
    • "Gunner" schrieb:

      OT @ loo:

      Und der kam von Commodore? :shock:



      *Ähem*... also der VC20 und der C64 waren auf jeden Fall von Commodore... der Amiga 500, der 1000 und der 2000 auch

      Aber der a510, der a1010 und auch der a2010... da gabs ne Geschichte... *denk*... muah dat is schon soooo lang her...

      Hier: hab was gefunden (auch ne Uralt-Nachricht auf Slashdot.org):

      "An unknown German company called IWin just recently announced the release of the Amiga 510 and Amiga 1010. The company just came about at the beginning of this month and is offering Classic Amiga compatibles at decent prices. It seems though they are slow to respond to the media and have not contacted Amiga Inc. in any way"


      @ Zeus & :UnMensch: : ihr seid ein starkes Gespann und meine ganz persönlichen Rezensions-Helden :) :) *strahl*. Es macht Laune, eure Sachen zu lesen und zu gucken *find* :)
    • Dann hat es den Computer wohl nie gegeben. Die Rechte an der Marke Amiga gingen erst an Escom (wie alles von Commodore) und danach an eine deutsche Company die sie bis heute hält und am AmigaOS 4.0 bastelt.
    • "Gunner" schrieb:

      Dann hat es den Computer wohl nie gegeben. Die Rechte an der Marke Amiga gingen erst an Escom (wie alles von Commodore) und danach an eine deutsche Company die sie bis heute hält und am AmigaOS 4.0 bastelt.


      *Schulter zuck* - dat is ja schon Ewigkeiten her... die Sachen oben hab ich im Web gefunden - sooo genau kannsch mich net mehr erinnern, aber schon dunkel an die Geschichte und den Krach mit Amiga... - aber ich hatt nie so einen. Ich hatt nachm VC20, C64 und C128 nen getunten Amiga 500 und dann gings mit PC los - mit gigantischen 33 MHz :mrgreen: