Untoten, supp. Plastic Autumn, Essen Zeche Carl, 22. 02. 08

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Untoten, supp. Plastic Autumn, Essen Zeche Carl, 22. 02. 08

      Untoten, supp. Plastic Autumn, Essen Zeche Carl, 22. 02. 08

      „Die Nonnen von Loudun“ – Tour 2008

      Sollte es dereinst so weit ein, dass die Lesekompetenz vollends danieder liegt und man gezwungen ist, enzyklopädische Lexika mit reinen Bildererklärungen zu liefern, so wäre das Portrait von Greta Csátlos, der einen Hälfte der Untoten, vielfach verwendbar – handelt es sich bei ihr doch nicht nur um eine der charismatischsten Vokalistinnen der schwarzen Szene (à „Sängerin, ausdrucksstark“), auch ihre Malereien, Texte und Bildwerke müssen sich keines Vergleichs mit anderen Größen moderner Kunstgenres fürchten (à „Multitalent, künstlerisches“). Als kongenial erweist sich zudem seit langem die Zusammenarbeit mit David A. Line, der anderen Untoten-Hälfte, dessen für sich bereits herausragende Melodien und Texte sie mit ihrer Darstellungskraft zusätzlich adelt, so dass veritable Kleinode schaurig-schmachtend-schöner Finsternis erstehen, die jeden Zuhörer früher oder später ins Grabsteinland zu locken vermögen – so der Titel einer sich über drei CDs erstreckenden Schaffensperiode seit 2003, die zudem den Zeitpunkt markiert, da der heute mit den Untoten verbundene, eigene Stil gefunden wurde und seitdem stetig verfeinert wird. Das aktuelle Beispiel dieses Schaffens, das aktuelle Album „Die Nonnen von Loudun“ galt es am Abend des 22. 02. in der Essener Zeche Carl zu präsentieren, wo man gemeinsam mit Plastic Autumn auftrat.



      Plastic Autumn

      Der erste Gedanke, der sich beim Betrachter der Gruppe einstellte, war ein kurzer Zweifel, ob man es nicht doch mit einer Kirlian-Camera-Tribute-Band zu tun habe: Outfit, Instrumentation sowie der sphärische Klangteppich gemahnten doch stark an die multinationale Truppe um Genius Angelo Bergamini. Doch klärte sich dieser Zweifel schnell, schließlich handelt es sich bei Plastic Autumn um das Soloprojekt von Falk Pitschk, seines Zeichens gelegentlich als Keyboarder der genannten Electronic-Avantgarde-Formation tätig.

      Streng genommen war dies auch erst der zweite Gedanke – der erste war: „hoffentlich dreht jemand die Bässe runter, bevor mir das Hirn aus den Ohren läuft“. Der Sound regulierte sich zwar im Laufe des Sets, gelegentliches schmerzhaftes Übersteuern insbesondere der tiefen Frequenzen ließ sich aber auch weiterhin feststellen.

      Ansonsten bot die Gruppe einige schöne Melodien, wenngleich nicht immer eindeutig festzustellen war, ob es sich um ein eigenes Stück oder ein KC-Cover handelte. Auch sei die Frage erlaubt, ob man sich mit der Version des größten Kirlian-Camera-Hits „Eclipse“, die den Abschluß des 35minütigen Sets bildete, einen solch großen Gefallen getan hatte, schließlich legte man damit die beiden Probleme des Konzeptes von Plastic Autumn schonungslos offen: Falk Pitschk hat weder das Charisma eines Angelo Bergamini noch die Stimme einer Elena Fossi. Deshalb abschließend ein Aufruf zu mehr Eigenständigkeit – das gehörte Song-Material ist in der Tat zu schade, um als eine Art „bandgewordenes“ KC-Bootleg zu enden. Macht was draus!



      Untoten

      Wenn irgendeine Gruppe derartige Appelle nicht nötig hat, dann sicherlich die Untoten, daran ließ man bisher keinen Zweifel, und das was sich in der Folgezeit auf der Essener Bühne abspielen sollte, war nicht angetan, diese Überzeugung zu ändern – im Gegenteil. Als um 21:20 Uhr das Licht der (leider nur zur Hälfte gefüllten) Halle zum zweiten Male erlosch, bedurfte es nur weniger Akkorde des Openers („Blutende Nonne“), um die Tonart zu setzen.

      David A. Line gewohntermaßen seitlich, rechts die übliche Ergänzungsbassistin, den Hintergrund bildeten zwei Tänzerinnen im aufreizenden Nonnengewand – davor, und rechts, und links und überall Greta. Ein energiegeladener Irrwisch, ein nicht zu bändigender Spring-ins-Feld – so signalisierte jede Geste und jede gesungene Zeile, dass sie in diesem Augenblick nirgends anders sein wollte, als hier auf dieser Bühne.

      Es wundert nicht, dass sie bereits nach dem zweiten Stück („Die Jagd“) die Schuhe in die Ecke warf, um frei von allen Hemmnissen „Raubtieraugen“ zu besingen. In diesem Stil geht es munter weiter, eine gelungene Mischung aus alten und neuen Songs (die Setlist war übrigens am Tag zuvor auf der Homepage einzusehen), aus heftigem („Abdomination“; „Spermfinger“) und traumhaft-schönem („Grabsteinland“; „Die out by the sea“). Gretas tänzerische Hyperaktivität hatte nicht nachgelassen, als mit dem Best of-Doppelpack „Cynthia“ und „Raben“ ein erster stimmungsmäßiger Höhepunkt erreicht war – der aber schnell übertroffen wurde: die Akustikversion von „schon steht die ganze Stadt in Flammen“ der aktuellen „Nonnen“-CD war schon nahe an Perfektion. Und just als man dachte, man habe erste stimmliche Ermüdungserscheinungen feststellen können, fand das reguläre Set nach 75 Minuten mit zwei fulminanten Versionen von „Herz der Finsternis/Flammen der Liebe“ und „Des Raben Flug“ ein würdiges Ende und einen emotionalen Gipfel, der selbst das Herz der vielfach besungenen Blutgräfin Bathory erweicht hätte.

      Die Untoten selbst ließen sich nur noch zu einer Zugabe „Willst Du“ erweichen, so dass damit ein (von kleineren Unstimmigkeiten beim Mix abgesehen) grandioses Konzert für jeden Besucher viel zu früh zu Ende ging – auch wenn dieses Gefühl nach 3 Stunden nicht anders gewesen wäre und jeder normale Mensch bei dem Versuch Gretas Aktivität gleichzukommen spätestens nach dem dritten Song bereits kollabiert wäre. Auf jeden Fall sorgten sie dafür, dass zwei weitere Artikel mit ihrem Bild zu versehen wären: „à Bühnenpräsenz, sympathische“ und „à Authentizität, einzigartige“. Es bleibt wirklich zu hoffen, dass der anwesende Fanclub Gehör finden wird, der mit einem Blumengruß versuchte, Greta und David zur Aufnahme einer Live-DVD zu bewegen.

      Bis es soweit ist gilt es abschließend unserem gedanklichen Bildlexikon noch ein weiteres Lemma hinzuzufügen, allerdings mit einem Bühnenbild aller Mitwirkenden des Essener Auftritts, und zwar sub verbum „à Live-Erlebnis, wundervolles“.
      Quare religio pedibus subiecta vicissim
      opteritur, nos exaequat victoria caelo.
    • so, mit der gestern eingetroffenen freigabe für ganze 4 bilder (die auswahlkriterien interessieren mich schon) hier also auch der optische nachschlag des konzertes. (ich hab bessere, ich weiß. ich wähle standardausrede 1: das licht war echt scheiße. :D )
      Dateien
      • Untoten,5.jpg

        (168,59 kB, 12 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • Untoten,6.jpg

        (80,19 kB, 8 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • Untoten,9.jpg

        (98,04 kB, 10 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • Untoten,12.jpg

        (126,83 kB, 10 mal heruntergeladen, zuletzt: )
    • offiziell müsste er jetzt nein sagen. :D ;)

      In God We Trust ~ Others We Verify With GPG


      The quieter you become, the more you are able to hear!


      Ich sehe soviel Potential, wie es vergeudet wird! Herrgott noch mal, eine ganze Generation zapft Benzin! Räumt Tische ab! Schuftet als Schreibtisch-Sklaven! Durch die Werbung sind wir heiß auf Klamotten und Autos… Machen Jobs, die wir hassen! Kaufen dann Scheiße, die wir nicht brauchen! Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte, Leute… Männer ohne Zweck, ohne Ziel! Wir haben keinen großen Krieg! Keine große Depression! Unser großer Krieg ist ein spiritueller… Unsere große Depression ist unser Leben… Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen in dem Glauben, dass wir alle irgendwann mal Millionäre werden, Filmgötter, Rockstars…

      Fight Club